Neues Produkt wurde in den Warenkorb gelegt

Sterbewünsche und Todessehnsucht

bei Palliativpatienten

Im Zusammenhang mit vielen Patientenversorgungen durch unser Palliativteam haben wir verstanden, dass der Wunsch eines Menschen nach assistiertem Suizid meist eng in Verbindung mit einer schweren fortschreitenden Erkrankung entsteht. Mit dieser verknüpft sind oft großes körperliches und seelisches Leid und dadurch ausgelöste Ängste, möglicherweise auch eine ungewollte Bedürftigkeit und Abhängigkeit von Anderen.
Wenn körperliche und seelische Leiden gelindert werden und das Selbstbestimmungsrecht von Menschen unter Wahrung der Würde geachtet wird, kann der Wunsch nach aktiver Lebensbeendigung schwinden. Ebenso, wenn kranken Menschen ihre Ängste genommen werden, wie etwa: dass sie anderen zur Last fallen, dass sie wertlos werden oder dass sie hilflos und fremdbestimmt sind.
Wir haben auch verstanden, dass es Menschen gibt, die unabhängig von Leid, trotz Linderung des bestehenden Leids bzw. in Abwesenheit konkreten Leids sterben wollen.
Und wir haben verstanden, dass bei denjenigen Menschen, die sich an Sterbehilfeorganisationen bzgl. einer Suizidassistenz wenden, häufig die Voraussetzungen für eine SAPV-Leistungserbringung nicht vorliegen.

Wenn Sterbewünsche Sie gerade selbst betreffen

Viele schwer kranke Menschen und ihre Angehörigen denken irgendwann über das eigene Sterben nach. 
Diese Gedanken dürfen ausgesprochen werden – wir hören zu, ohne zu werten. Wenn Sie sich gerade in einer seelischen Krise befinden, finden Sie hier sofort Hilfe.

IN EINER SEELISCHEN KRISE – ANONYM UND KOSTENLOS

Telefon-Seelsorge

0800 111 0 111 anrufen

Rund um die Uhr erreichbar

Auch unter 0800 111 0 222 oder 116 123 sowie per Chat und Mail auf online.telefonseelsorge.de. 

Bei akuter Lebensgefahr: 112

SIE MÖCHTEN MIT UNS SPRECHEN

Unser Palliativteam

(0821) 455550-0 anrufen

oder Ihre Frage schriftlich stellen

Für Patientinnen, Patienten und Angehörige – auch wenn noch keine SAPV besteht. 
Wir nehmen Sterbewünsche ernst und suchen mit Ihnen nach Wegen, Leiden zu lindern.

WAS PALLIATIVVERSORGUNG TUN KANN

Suizidprävention bei Palliativpatienten

weiterlesen

Unsere Haltung zum assistierten Suizid

Warum hinter einem Todeswunsch oft der Wunsch nach Linderung steht – und wie wir darauf antworten.

Abbildung: Die große Bandbreite zwischen einem Sterbewunsch und dem Vollzug eines (assistierten) Suizids [eigene Darstellung]

Äußerungsformen von Sterbe- und Todeswünschen

Todeswünsche können sich sehr unterschiedlich äußern. Sie reichen von der Akzeptanz des Todes im Sinne von Lebenssattheit, dem Hoffen auf baldigen Beginn des Sterbeprozesses - mit oder ohne Wunsch nach Beschleunigung - bis hin zur akuten (bewusst geplanten) Suizidalität. Der Handlungsdruck nimmt zu, je drängender und akuter der Wunsch nach selbst herbeigeführtem Sterben ist. (S3 Leitlinie Palliativmedizin)

Motive von Sterbewünschen

Zu den Hauptmotiven bei den Anfragen für Suizidassistenz sowie bei den Motiven für durchgeführte assistierte Suizide gehörten bei nahezu jedem Zweiten Leiderleben, bei - jeweils jedem Dritten - körperliche und psychische Symptome [Feichtner A. (2023)]. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin hat alle 2021 bei ihr eingegangenen - insgesamt 53 - Anfragen zur Suizidassistenz ausgewertet. In Kombination mit weiteren Quellen zeigen sich die in der Tabelle der rechten Spalte angegebenen Gründe.

Große Ambivalenz von Todes- und Suizidwünschen

Todes- und Suizidwünsche sind häufig von einer großen Ambivalenz geprägt. Sie sind oft verbunden mit einem gleichzeitigen Lebenswunsch und verändern sich im zeitlichen Verlauf. Meist wollen die Menschen ausdrücken, dass ihr Leben so, wie sie es aktuell aufgrund einer Erkrankung oder ihrer Lebenssituation erleben, nicht mehr für sie lebenswert ist.
Aus vielfältiger Erfahrung heraus ist den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Gleichzeitigkeit des Sterbenwollens bzw. nicht mehr Lebenkönnens auf der einen Seite und des Wunsches nach Leben trotz begrenzter Zeit und möglicherweise auch großen Leiderlebens auf der anderen Seite bekannt. Diese Gleichzeitigkeit und Ambivalenz macht den Umgang mit Sterbewünschen bei Schwerkranken so komplex.
Menschen mit fortgeschrittenen Erkrankungen und am Lebensende, aber auch multimorbide ältere Menschen, Menschen in Lebenskrisen und auch solche mit psychischen Erkrankungen äußern Sterbe- und Todeswünsche, die auch in einem Wunsch nach Suizidassistenz zum Ausdruck kommen können. Die Gründe für einen Suizidwunsch sind vielfältig, sowohl im körperlichen Bereich wie auch im Hinblick auf psychische, existenzielle und soziale Motive.